Wer stand nicht schon mal an einem Abreitplatz bei einer Dressurprüfung um Freunde oder Idole zu beobachten? Meist erwartet einen dort ein seltsames Bild: Statt lockerer und entspannter Vorbereitung auf die Prüfung wird gedrückt, gezogen und geflucht. Die Reiter sitzen mit rotem Kopf auf einem Pferd, das vor Anspannung bald zu platzen scheint.

Oder im Gelände: In mehreren hundert Meter Entfernung nähert sich ein Traktor. Das Pferd geht jetzt schon in die Knie währen der Reiter mit verzweifelter Stimme auf es einredet. Für den Zuschauer steigt die Spannung: Flucht oder Angriff? Mit oder ohne Reiter?

Ich wage es zu behaupten, dass jeder Reiter in seiner Laufbahn öfter in einer solchen Situation war. Irgendwann sucht man aber auch nach Lösungen, um nicht mehr in solch eine Mensch-gegen-Pferd Situation zu kommen. Schliesslich träumen alle vom entspannten Ausritt, von der schwungvollen Piaffe oder dem perfekten Absprung. Und da gibt es sogar eine sehr einfache Möglichkeit, die ironischerweise gerne belächelt wird: Das Lächeln beim Reiten.

Was passiert beim Lachen?


Der Ursprung des Lachens liegt im limbischen System des Gehirns, welches für Stimmungen und Emotionen zuständig ist. Beim Lachen und Lächeln werden Endorphine ausgeschüttet, die euphorisierend wirken, körperlichen und seelischen Schmerz vermindern und das Wohlbefinden steigern. Ausserdem wird die Stresshormonausschüttung vermindert.
Beim Lachen und meist auch beim Lächeln spannt man zudem die Bauchmuskeln an und atmet tiefer ein.
Diese Auswirkungen des Lachens und Lächelns finden zu einem bestimmten Mass auch bei einem „künstlichen Lachen“ statt – deshalb ist auch Lachtherapie erfolgreich.

Als Reiter kann ich nun all diese Effekte des Lächelns ausnutzen: Bin ich weniger gestresst und fühle mich wohl, überträgt sich dies auf mein Pferd. Durch das Anspannen der Bauchmuskeln kippt sich das Becken automatisch nach vorne, man sitzt tiefer. Tiefes einatmen führ dazu, dass sich andere Muskeln entspannen müssen – versuche z.Bsp. einmal mit hoch gezogenen Schultern tief Luft zu holen…

Lächle ich also in dem Moment, in dem mein Pferd wegen des Traktors die Flucht ergreifen möchte, wird mein ganzer Körper signalisieren: Ich fühle mich wohl und bin entspannt. So ist nun hoffentlich auch der Vierbeiner bereit, sich die Situation nochmals anzusehen. Schliesslich kann ich nicht von meinem Pferd verlangen, entspannt am Traktor vorbei zu gehen, wenn alles an mir „Gefahr“ signalisiert.
Den selben Effekt hat das Lächeln auf dem Abreitplatz und vor dem Hindernis. Der gestresste Mensch zwingt sich selbst zu entspannen und steckt das Pferd damit an: Entspannter Reiter, entspanntes Pferd. Plötzlich funktionieren die Lektionen wieder genau so gut wie zu Hause.

Also nochmals zur Erinnerung, ein Zitat von Dominique Barbier:

„Vergessen Sie nicht zu lächeln“