Lahmheiten sind ein mühsames Thema! Für alle beteiligten – Besitzer, Pferd, Tierarzt und alle anderen Therapeuten. Wenn das Thema nicht so komplex wäre, gäbe es nicht zu einer Lahmheit oftmals mehr Meinungen als beteiligte Personen. Jeder "freut" sich, wenn eindeutig eine Ursache zu erkennen ist – ein Hufabszess, ein Hämatom, das auf einen Schlag hinweist, oder ähnliches. Leider ist das aber meist nicht der Fall.

Wie eine Lahmheit sich zeigt ist so individuell wie die Charakterzüge der Pferde, die unter ihr leiden. Mimose Moni humpelt schon dann, wenn Panzer Paul noch nicht mal mit der Schnute zuckt.

Außerdem ist Lahmheit nicht gleich Lahmheit. Als ob es nicht schon ausreichen würde, dass jedes Pferd 4 Beine hat, an denen es lahmen könnte – der tickt doch eindeutig vorne links! Oder doch hinten rechts?
Nein! Es gilt auch noch zwischen Hangbein- und Stützbeinlahmheit zu unterscheiden. Und wie könnte es anders sein, es gibt auch die gemischte Lahmheit.

Aber warum humpelt der denn jetzt? Es gibt ja zum Glück Faustregeln, an denen man sich entlanghangeln kann. Stützbeinlahmheit = eher unterhalb, Hangbeinlahmheit = eher oberhalb des Ellbogen – bzw. Kniegelenks tut‘s weh.

Kann aber auch anders sein, sagt der Kreative Kobold und zeigt einen verkürzten Schritt, der je nach Volte deutlich zu sehen ist, oder auch nicht. Im Schritt sieht man eh nix und im Trab nur auf der einen Hand. Und wenn Kobold zu viel laufen muss, will er gar nicht mehr drauf stehen. Ist das nun eine Hangbein- oder eine Stützbeinlahmheit?

Während wir noch am Kreativen Kobold rumhirnen tippelt der Alte Alvin mit steifen Beinen und hartem Rücken um die Ecke. Ja was soll denn das nun für eine Lahmheit sein? Oder zählt das als Taktunreinheit? Alvin zieht bei der Frage nur die Nase in Falten. Weh tut‘s. Also ist es eine Lahmheit.

Also gut. Dann kommen eben alle einfach erst mal in die Box. Mimose Moni mümmelt zufrieden ihr Heu, während Panzer Paul die Welt nicht mehr versteht und randaliert. Der Kreative Kobold und der Alte Alvin gucken doof, machen aber mit. Kobold randaliert somit erst, wenn er aus der Box raus darf und Alvin kann sich erst mal kaum bewegen bis er sich eingelaufen hat.

Da hilft nur noch Entzündungshemmer. Darüber freut sich auch Alvin – zu sehen ist es aber erst, nachdem er sich eingelaufen hat. Und Kobolds Volte ist trotz Entzündungshemmer nicht besser, während Panzer Paul zum Schutz vor sich selbst wieder auf die Weide darf.

Wir sind uns also einig: Es ist eben nicht ganz so einfach mit der Lahmheitsdiagnostik und -therapie wie wir uns das alle wünschen. Und nachdem es kein Geheimnis ist, dass psychische Zufriedenheit sich extrem auf den Heilungsprozess auswirkt, ist auch Boxenruhe nicht immer angebracht. Je nach Ursache, ist die Box sogar Gift für den Heilungsprozess. Da hilft es nur, gute Pferdemenschen zu haben, die sich miteinander absprechen und beraten. Zum Wohle der Pferde!