Wenn die Weidesaison beginnt: Warum Hufrehe oft kein Zufall ist

Wenn die Weidesaison beginnt: Warum Hufrehe oft kein Zufall ist

Es ist wieder soweit: Die Weidesaison startet. Und mit ihr beginnt leider auch die Hufrehe-Saison. Hufrehe ist zu recht gefürchtet, kann aber oft noch abgewendet werden, wenn man weiss, worauf man achten muss.

Denn viel zu viele Pferde sind gefährdet, und noch immer wird zu spät gehandelt. Nicht aus böser Absicht, sondern weil das Wissen fehlt, man im Stall auf wenig Verständnis stößt oder die notwendigen Schritte unbequem sind: anderes Weidemanagement, andere Fütterung, manchmal sogar ein Stallwechsel. All das will niemand.

Wir möchten unsere Pferde glücklich auf der Weide sehen

– gemeinsam mit ihren Freunden. Aber um dies einem hufrehegefährdeten Pferd zu ermöglichen, ist der Aufwand hoch. Trotzdem: Wir könnten sehr viel Leid verhindern, wenn wir die Frühwarnzeichen kennen, ernst nehmen und entsprechend handeln.

Hufrehe hat verschiedene Auslöser. Die mit Abstand am häufigsten auftretende Hufrehe ist die Stoffwechselrehe. Unsere Pferde leben oft im Freizeitmodus: wenig Training, viel Futter. Übergewicht, EMS, Insulinprobleme bis hin zu Diabetes sind die Folge. Forschung gibt es, aber vieles steckt noch in den Kinderschuhen, und das Screening von Insulin beim Pferd ist weiterhin nicht standardisiert. Fakt ist aber: Sehr viele Pferde sind betroffen.

Eine Stoffwechselrehe kündigt sich an – wenn man genau hinschaut.

  • Fettleibigkeit: Streiche mit der flachen Hand über den Brustkorb. Spürst du die Rippen nicht, sondern musst sie „suchen“, ist dein Pferd zu dick. Über den Rippen gibt es keine Muskulatur – was du dort fühlst, ist Fett.
  • Typische Fettpolster (EMS) trotz deutlicher Rippen: Rechts und links der Schweifrübe, hinter dem Schulterblatt, ein Fettkamm am Hals. Der Cresty Neck Index (Messung der Fetthöhe oberhalb des Nackenbandes) korreliert mit dem Rehe-Risiko. Nachmessen lohnt sich.
  • Hufe als Tagebuch: Regelmäßige, nach unten wachsende Ringe an allen vier Hufen sind ein Warnzeichen (ein einzelner Ring kann durch Futterwechsel, Anweiden/Abweiden oder Hufpflegerwechsel entstehen). Eine aufgerissene weiße Linie, hohle oder hebelnde Hufwände, feststeckende Steinchen, „gammelnde“ schwarze Stellen – ebenfalls Frühwarnsignale.
  • Schwaches Immunsystem: tränende Augen, wiederkehrende Einschüsse, Hautprobleme. Diabetes beeinträchtigt die Immunabwehr.
  • Muskelabbau an Rücke und Bauch führen zu einem sogenannten Potbelly: Der Bauch hängt wie ein Fass am Pferd
  • Fühligkeit: Fühliges Laufen bei Kälte (Winter) oder beim Anweiden, wenn die Gräser zuckerreich sind.

Diese Zeichen sind kein „Kosmetikproblem“. Sie sind ein Alarmsystem.

Was tun bei Frühwarnzeichen? Handeln wie bei einer akuten Rehe – nur ohne Notfallstress

Der große Vorteil von Früherkennung: Du kannst gegensteuern, bevor die Schmerzen alles lahmlegen.

  1. Heu prüfen
  2. Ration anpassen
  3. Bewegung – konsequent und klug
  4. Hufbearbeitung anpassen
  5. Tierarzt konsultieren
  6. Weidemanagement anpassen

Die unbequeme Wahrheit – und der lohnende Weg

Ja, es ist unangenehm, Gewohnheiten zu ändern: anderes Heu, anderes Weidemanagement, konsequente Bewegung, veränderte Hufpflege, medizinische Tests, eventuell Stallwechsel. Aber Hufrehe ist kein Schicksal, das „vom Himmel fällt“. Sie ist in den meisten Fällen ein Stoffwechselproblem, das sich abzeichnet, lange bevor der akute Schmerz alles bestimmt. Je früher wir hinsiehen, desto besser können wir unsere Pferde schützen.

Am Ende geht es um das, was wir alle wollen: Pferde, die gesund leben, auf der Weide mit ihren Freunden – ohne den unsichtbaren Countdown zur nächsten Rehe. Das kostet Management, Wissen, Konsequenz. Es spart aber Leid. Und genau dafür lohnt es sich, einmal mehr hinzuschauen, zu messen, zu bewegen und zu handeln.

Du möchtest es genauer und vor allem mehr wissen?

Dann findest du alle Antworten im Hufrehe-Leitfaden: von Früherkennung über Rehebehandlung bis zum Weidemanagement von Rehe-Pferden. Viel Erfolg!

Hier gehts zum Hufrehe-Leitfaden