Kopfkarusell Hufrehe
Hufrehe gehört zu den schlimmsten Krankheiten, die man sich für sein Pferd vorstellen kann. Nicht nur, weil sie mit extremen Schmerzen einhergeht, sondern auch, weil diese Erkrankung mit einer sehr hohen emotionalen Belastung des Besitzers und des Pferdes einhergeht.
Jeder, der schon mal sein Pferd durch eine Hufrehe begleiten musste, weiß, wie viele schlaflose Nächte, wie viele Tränen, wie viele Sorgen, Ängste, wie viele Gedanken es kostet und wie weh es tut seinem Pferd bei einer Hufrehe zuzusehen.
Das Gemeine an einer endokrinen Hufrehe (= "Stoffwechselrehe") - diese ist mit Abstand die häufigste Rehe - ist: Im Nachhinein ist man schlauer, erkennt, was man schon lange im Vorraus hätte erkennen können und plagt sich mit Vorwürfen und "hätte, wäre, wenn". Denn es gibt Früherkennungszeichen, die, wenn man sie als solche erkennt und ernst nimmt, einem helfen früh genug zu handeln und so eine Hufrehe zu vermeiden.

Allerdings springen einem diese Früherkennungszeichen nicht unbedingt ins Auge. Sie setzen ein genaues Beobachten des Pferdes voraus und könnten, jedes für sich genommen, auch anderen Krankheiten zugeordnet werden. Das heißt, dass nur die Summe der Früherkennungszeichen einen tatsächlich daraus schließen lassen, dass es sich hier um die Warnungen vor einer Hufrehe bzw. vor einer Insulindysregulation (ID), welche Ursache der endokrinen Hufrehe ist, handelt. Denn die Hufrehe ist nur das letzte, lauteste und schmerzhafteste Symptom eine ID.
Natürlich gibt es auch andere Hufrehen, wie zum Beispiel die Vergiftungsrehe oder die Belastungsrehe. Deren Ursache lässt sich in der Regel sehr schnell ermitteln.
Ein weiterer Punkt, der eine Hufrehe sehr schmerzhaft und sehr langwierig werden lässt, ist das Kompensationsmuster, welches Pferde in einer Hufrehe zeigen. Aufgrund dessen, dass die Hufe hochgradig schmerzhaft sind, entwickeln Pferde eine ausgeprägte Verspannung des gesamten Körpers. Das Bewegungsmuster verändert sich rehetypisch: Die Vorhand wird entlastet auf Kosten der Hinterhand, die Pferde verspannen sich massiv im Schultergürtel und entwickeln eine Trageerschöpfung. Entsprechend schnell kompensieren Lende, Kruppe und Hinterhand, bis auch diese erschöpft sind. Stehen ist nun nur noch ein Kampf aus Kompensation und Schmerz.
Da nur die Früherkennung solche Pferde vor eine Hufrehe schützt, haben meine Kollegin Anne Meinert und ich den Hufrehe-Leitfaden geschrieben, in dem du erfährst, was Früherkennungsanzeichen sind, woran du sie erkennst, woran du sie misst, aber auch was du tun kannst und solltest, wenn du diese entdeckst. Natürlich erfährst du darin auch was du tun kannst und solltest, wenn dein Pferd tatsächlich schon in eine Rehe hineinrutscht.
Denn wenn dein Pferd tatsächlich eine Hufrehe haben sollte, zählt jede Minute! Je schneller du handelst, je früher du die Hufrehe erkennst, desto besser sind die Heilungschancen und desto besser sind die Chancen, dass dein Pferd wieder voll belastbar sein wird. Denn das ist eine der größten Schwierigkeiten und Unsicherheiten: Ob der Huf jemals wieder komplett belastbar ist, ob das Pferd jemals wieder dafür genutzt werden kann, wofür es vor der Hufrehe genutzt wurde, ob und in welcher Form Training überhaupt jemals wieder möglich ist - all das hängt vom Management während der akuten Phase ab.

Aufgrund dessen, dass Hufrehe Hufe und Körper massiv beeinträchtigt, ist auch eine Begleitung sowohl von Hufen als auch vom Körper nötig. Im Verlauf einer Hufrehe ist es irgendwann schwer zu erkennen, ob nun die Hufe oder der Körper für das Pferd schmerzhafter sind. Deswegen ist es unabdingbar, beides zu therapieren und zu beobachten.
Aus diesem Grund begleite ich Hufrehepferde sowohl huforthopädisch als auch physiotherapeutisch. Das führt dazu, dass die Hufe sich schneller regenerieren und dein Pferd körperlich schneller wieder in der Lage ist, die gesundenden Hufe korrekt zu belasten. Diese beiden Faktoren beeinflussen sich dadurch gegenseitig positiv anstatt sich gegenseitig auszubremsen.
Außerdem lernst du, was du für dein Pferd tun kannst, welche Übungen sinnvoll sind, welche Bewegungen möglich sind, welches Training schon machbar ist. Du verstehst, womit du besser noch warten solltest, was du aber kreativ vielleicht schon einbauen kannst.
Du bist nicht mehr der passive Zuschauer, der seinem Pferd beim Leiden zuschaut, sondern du wirst aktiv und kannst dein Pferd in seinem Heilungsprozess, sowohl körperlich als auch mental, aktiv unterstützen.
Solltest du in deinem Hufrehe-Leitfaden die Früherkennungsanzeichen studiert haben und feststellen, dass hier doch schon einige Anzeichen bei deinem Pferd zu erkennen sind und du sogar vielleicht an den Hufen gewisse Früherkennungsanzeichen erkennst, die dafür sprechen, dass dein Pferd in eine Hufrehe rutscht, dann kannst natürlich auch du dich sehr gerne für eine Langzeitbegleitung bewerben.
Gemeinsam finden wir heraus, wie du die Lebensumstände deines Pferdes verändern kannst, um aus dieser Problematik herauszukommen und deinem Pferd ein gesundes weiteres Leben zu ermöglichen.
Falls du nun genug gelesen hast und lieber eimal zuhören möchtest: