Im heutigen Blog geht es mir darum, Denkanstösse zu geben zu artgerechter Haltung, Fütterung und Nutzung unseres Partners Pferd.

Das Pferd als Tier
Auch wenn wir diese Lebewesen als Familienmitglied aufnehmen und oft ein intensive Beziehung zu Ihnen aufbauen, bleiben sie eins: Tiere. Sie bringen ihr eigenes, ihnen angeborenes Sozial- und Fressverhalten mit, das wir respektieren müssen um sie gesund und glücklich zu erhalten.

Pferde leben in der Natur in gemischtaltrigen Gruppen von 3 bis 35 Tieren und bewegen sich auf Futtersuche über viele Kilometer hinweg. Normalerweise werden Herden von einem Hengst geführt, der auch den Grossteil des Wachpostens übernimmt und für die Sicherheit seiner Stuten und Fohlen sorgt. Junghengste bilden kleine Gruppen in denen sie umherziehen, spielerisch kämpfen lernen und sich gegenseitig den Schutz einer Herde bieten bis sie sich eigene Stuten erobern können.
Der natürliche Lebensraum ist die Steppe. Trocken, mit hohen Temperaturschwankungen, wenig Niederschlag und energiearmer Nahrung. Die Nahrungsaufnahme erfolgt 24 Stunden. Es werden nie grössere Pausen als 3-4h eingelegt und überwiegend Gräser gefressen. Der Verdauungstrakt ist entsprechend dafür ausgelegt – keine Gallenblase, nur ein erstaunlich kleiner Magen, ein sehr grosser Blinddarm zur Aufspaltung der Pflanzen usw.

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Auch anhand des Gebisses erkennt man die natürliche Nahrung: Starke Kaumuskulatur und Backenzähne mit grosser Mahlfläche sind für faserreiche Gräser ausgelegt.

Das Pferd als Freund und Partner
Indem der Mensch lernt das Pferd zu verstehen und seinen Umgang mit ihm auf seine Instinkte auslegt, ist eine Kommunikation möglich. Diese Kommunikation kann so weit gehen, dass das Pferd den Menschen durchaus als „Freund“ und interessanten Genossen anerkennt. Der Mensch wird trotzdem niemals ARTgenosse werden, dafür sind wir doch zu verschieden. Zudem kann ein Menschenfreund nie die Bedürfnisse des Pferdes erfüllen, wie sie ein Pferdefreund erfüllen kann. Gemeinsame Fellpflege, gemeinsames Grasen, Spielen, Dösen oder abwechselndes Wache stehen um zu schlafen. Dem Pferd ist das Bedürfnis nach Leben in Gemeinschaft und nach Sozialkontakt angeboren. Im Herdenverband kann jedes Individuum seinen Bedürfnissen gerecht werden. Diesen Schutz kann ein Mensch nicht bieten.

Das Pferd als Investition
Nur dank der hohen Anpassungsfähigkeit der Pferde können wir mit ihnen so zusammenleben, wie wir es tun. Einzelhaltung in Boxen, keine wechselnde klimatische Einwirkungen, kein oder nur wenig Kontakt zu Artgenossen, zwei mal am Tag Heufütterung, energiereiches Kraftfutter und wenig Bewegung. All dies verlangen wir dem Pferd ab, besonders wenn es als Investition gesehen wird und als „Profi“ von Turnier zu Turnier reist – ohne die Sicherheit seiner Herde.


Gibt es eine Lösung?
Ja, die gibt es.
Offenställe und Ställe mit Tagesweide werden immer beliebter und so gibt es auch ein wachsendes Angebot mit verschiedenen Lösungsansätzen. Hier kann sich jeder Pferdebesitzer das für Ihn und sein Pferd passende Management heraussuchen.

Fazit
Die Pferdehaltung sollte nicht auf den Menschen sondern auf das Pferd und seine Bedürfnisse ausgerichtet sein. Nur zwei mal am Tag zu füttern mag zwar praktisch sein, ist aber nicht artgerecht und erst recht nicht gesundheitsfördernd. Einmal am Tag für zwei Stunden alleine auf die Weide ist gut gemeint, befriedigt aber noch lange nicht die Bedürfnisse des Tieres.
Wenn wir uns bewusst werden, wie viele Krankheiten und somit wie viele Kosten und Stress wir durch artgerechte Haltung vermeiden können, gibt es kein Argument mehr das gegen eine entsprechend angepasste Haltung spricht.