Die Idee zu diesem Blog ist mir durch zwei Erlebnisse der letzten Wochen gekommen. Zum einen hatte ich ein Gespräch mit einer lieben Freundin, welche ein charakterstarkes Pony besitzt, zum anderen erwischte ich mich beim Reiten mit einer Nierendecke.

Ponyerziehung kann bekanntlich eine harte Nuss sein. Erst recht, wenn es sich noch um ein dominantes Exemplar handelt. Und wie das so ist, wissen oftmals die Personen, welche nicht täglich mit dem Tier zu tun haben, am besten wie es gehen soll.

So kommt man als Besitzer eines schwierigen Pferdes oder Ponys gerne mal ungewollt zu vielen Ratschlägen. In dieser Situation befand sich auch meine Freundin und natürlich probierte sie das ein oder andere aus, mit mehr oder weniger Erfolg. Als sie Hilfe bei einer Reitlehrerin holte und deren Ratschlag folgte, fiel ihr auf: Moment einmal! SO möchte ich aber nicht mit meinem Tier umgehen. Diese Art des Lehrens ist viel zu weit weg, von dem Ideal, welches ich verfolge. Warum also, handle ich trotzdem nach dem Vorschlag der Reitlehrerin? Ich bin danach nur unzufrieden über mich selbst.

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Nun zur zweiten Anekdote:
Vor ein paar Jahren noch gehörte ich zu diesen Menschen, welche Reiter, die im Winter ihr Pferd mit einer Nierendecke reiten oder ihr Pferd decken, belächeln. Tiere sind, was Temperaturen angeht, unglaublich anpassungsfähig. Der beste Schutz vor Temperaturschwankungen ist das Fell – dieses Optimum kann auch mit täglich angepassten Decken nicht ersetzt werden. Nach wie vor bin ich der Meinung, dass Tiere nur wenn unbedingt nötig geschoren werden sollten. Es gibt jedoch durchaus Einzelfälle, bei denen das nötig ist. So wie es diese Einzelfälle gibt, gibt es auch jene, welche bei kühlem oder nassem Wetter gedeckt werden müssen. Nunja, damals jedenfalls hielt ich noch an meiner Meinung fest.
Bis meine Stute vor ein paar Jahren im Januar beschloss es sei nun Frühling und ihren Fellwechsel in einem riesen Tempo beendete. Als dann im März nochmals die Temperaturen fielen, stand sie schlotternd in ihrem Frühlingsflaum im Offenstall. Und so wurde ich Besitzer von Stall- und Nierendecke.

Über die Jahre hinweg musste ich feststellen, dass die aus einer Notsituation heraus gekaufte Nierendecke mir auch bei flauschigstem Winterfell tolle Dienste leistet: Bei Minustemperaturen läuft meine Stute deutlich entspannter und konzentrierter auf dem Platz, kühlt logischerweise weniger schnell aus und ist entsprechend rittiger und lernwilliger. Wir wissen ja selbst wie schwer es ist, sich elegant und geschmeidig zu bewegen, wenn man bei niedrigen Temperaturen Sport treibt. Die Muskeln sind kalt und angespannt – mit entsprechender Sportunterwäsche geht das schon viel besser. 😉

Die Quintessenz
dieser beider Geschichten lässt sich jedoch auf viele Situationen bei der Zusammenarbeit mit Pferden (aber auch mit allen anderen Tieren) übertragen: Es ist wichtig, im Geiste flexibel zu bleiben, nach rechts und links zu schauen, was dort passiert, sich nicht an einer Meinung fest zu beißen. Wie wenn wir für unseren Körper Joga betreiben um diesen flexibel und elastisch zu halten, müssen wir auch unseren Geist in dieser Disziplin trainieren um nicht starr immer in der selben Schiene zu fahren und so über kurz oder lang in eine Sackgasse zu geraten.

Und wie für Joga müssen wir uns dafür Zeit nehmen. Zeit, um über weitere Schritte nachzudenken; Zeit, um von alten und neuen Meistern zu lesen; Zeit, um mit unseren Tieren zu kommunizieren und vor allem Zeit, um uns verschiedene Ideen und Lösungsansätze genauer anzusehen.
Also: Auf die „Jogamatte“, fertig, los!!!