„Hä?….warscheinlich nicht so viel“ denkt ihr jetzt. Dann sehen wir uns doch diese Arbeitsfelder mal genauer an:

Der Marktschreier:
Er steht auf einem grossen Marktplatz und schreit bis er heiser wird. SEINE Produkte sind die besten, die frischesten, die wohlschmeckendsten….und wenn man davon mehr kauft, bekommt man auch Rabatt! Man kann also sparen!

Er ist aber nicht der einzige auf diesem Marktplatz. Um ihn herum wird auch geworben, für die selben Produkte, zu ähnlichen Preisen – oder gar zu niedrigeren Preisen. Darum: Wer am lautesten schreit und die schönsten Versprechungen macht, der gewinnt.

Der Pferdeflüsterer:
Er steht z.B. auf dem Marktplatz „Europa“. Auch er schreit sein Können in die Welt hinaus, denn er will ja davon leben. Wenn man das Pferd nach SEINER Anleitung und mit SEINEN Produkten trainiert, dann wird es stärker, entspannter, gehorsamer, leistungsfähiger….und wenn man dann noch SEINEN Kurs besucht – und nicht nur einen, sonder alle, und noch den zertifizierten Trainer bei IHM macht, bekommt man auch Rabatt. Auf Fortbildungen zum Beispiel, oder auf seine Produkte.

Pferdeflüsterer2

Und auch er ist nicht der einzige auf diesem „Maktplatz Europa“. Es gibt hier viele andere Pferdeflüsterer und alle sagen IHRE Methode sei die einzig wahre. Dabei widersprechen sie sich nicht selten, sind aber auch in vielen Punkten einer Meinung. Somit gilt wieder: Wer am besten schreit, gewinnt.

Wo bleibt das Pferd?
Was viele sogenannte Pferdeflüsterer vergessen in ihrem Trainingsprogramm: Pferde sind Individuen. Für das eine Pferd mag ein Schütteln am Seil nichts bedeuten, für ein anderes ist dies absolut erschreckend. Ein anderes Pferd liebt dafür die Arbeit an der Longe mit lustigen, bunten Stangen, ein anderes findet das nur öde und schlurft unglücklich über den Platz. Ein Pferd braucht genaue und strenge Regeln, ein anderes mehr Luft und Kopfarbeit.

Aber: Der Pferdeflüsterer – oder sollte ich sagen Pferdeschreier? – hat versprochen, wenn man das Programm genau durchzieht, wird am Ende alles gut. Also wird weiter nach Schablone gearbeitet.
Dazu benötigt man natürlich das markenechte Knotenhalfter, die richtig bemalten Pylonen, die genau richtig dicke Longe usw., auch wenn man dafür ein paar grössere Scheine hinlegen muss.
(Übrigens geht jedes andere Knotenhalfter genauso gut; noch besser: selbst eins machen in Lieblingsfarbe kostet nur ein paar Münzen und macht beim gemeinsamen Knotenhalfter-Knüpfen im Stall auch noch viel mehr Spass.)

Pferdeflüsterer3


Was ich damit sagen will?
Nicht etwa, dass ich Gegner solcher „Pferdeflüsterer“ bin – ganz und gar nicht – sondern das hier:

Liebe Pferdebesitzer und Pferdeliebhaber: Beobachtet euer Pferd bei der Arbeit mit ihm. Hört ihm zu. Lest Bücher von vielen verschiedenen Trainern und vor allem: Sucht euch einen Trainer / Reitlehrer, der mit euch gemeinsam Wünsche und Ziele verfolgt und erarbeitet. Jemand, der euch hilft auch einmal einen anderen Blickwinkel einzunehmen. Pickt euch aus den verschiedenen Trainingsmethoden das heraus, was auch euer Pferd angenehm und spannend findet, probiert aus, seid offen. Drückt es nicht in eine Schablone, nur weil ihr durch irgend welche Umstände, gerade diese eine Schablone in den Händen haltet. Lasst euch keine Scheuklappen anziehen und glaubt nicht alles was euch auf dem „Marktplatz Europa“ versprochen wird. Euer Vierbeiner wird es euch danken.