Für alle, bei denen die „Vorbereitungen für Seitengänge Teil 1 bis 3“ schon so gut klappen, dass sie den ersten "richtigen" Seitengang kaum erwarten können, gibt es nun eine richtige Herausforderung!

Stellung im Anschritten

Bei dir klappt es schon super im Stehen dein Pferd ordentlich und länger zu stellen? Dann probiere jetzt in Stellung mit deinem Pferd anzuschritten! Dazu stehst du genauso wie bei der Stellungsübung im Stehen, stellst dein Pferd im Genick nach innen und gibst dann das Kommando zum Anschritten.

Wichtig!
Dein Pferd soll auf das Stimmkommando anschritten. So hast du beide Hände frei um den Kopf korrekt zu stellen und kommst nicht auf die Idee am Kopf zu ziehen um dein Pferd zum Gehen zu bewegen (was übrigens keine gute Idee ist, dadurch bringst du dein Pferd nur aus dem Gleichgewicht!).

Ziel der Übung
Eigentlich geht es nur um den aller ersten Schritt, also um den Ablauf: Gewicht verlagern auf ein Vorderbein und das andere Vorderbein vorschwingen. In diesem Zeitraum soll die Stellung, die du im Stehen vorbereitet hast, erhalten bleiben. Hört sich einfach an, oder?

Nutzen der Übung
Um diesen ersten Schritt in Stellung machen zu können, muss dein Pferd in Genick, Hals und Schulter locker sein. Dies kann es nur, wenn es im Gleichgewicht ist – was zugegeben die wenigsten Pferde sind – also doch nicht so einfach…
Durch diese Übung kommst du aber diesem Ziel näher. Besseres Gleichgewicht bedeutet auch bessere Seitengänge.

Kleiner Tipp:
Es fällt deinem Pferd leichter, wenn es den ersten Schritt mit der inneren Vorhand machen kann. Dafür kannst du entweder dein Pferd so hinstellen, dass es das innere Vorderbein weiter hinten stehen hat als das Äußere oder, was viel eleganter ist, deinem Pferd beibringen, sein Gewicht im Stehen auf das äußere Vorderbein zu verlagern .

Gewicht verschieben zwischen den Vorderbeinen

Um deinem Pferd beizubringen, das Gewicht auf das eine oder andere Vorderbein zu bringen stellst du es wieder an die Bande, vorne Geschlossen.

Nun gibt es drei Punkte, an denen du deinem Pferd das Kommando zum Gewichtverlagern geben kannst; Du siehst sie auf dem Bild unten. Dazu stellst du dich auf Schulterhöhe neben dein Pferd, lässt es geradeaus schauen und stupst es an einem der Punkte an um sein Gewicht von dir weg auf das äußere Vorderbein zu bringen.
Welchen Punkt du wählst ist sehr individuell. Du kannst es deinem Pferd einfach machen, indem du zunächst den Punkt nimmst, auf den es am besten reagiert und später zu dem Punkt wechseln, der dir am sinnvollsten erscheint.

Vorsicht! Rechte und linke Seite müssen nicht gleich sein! Sehr wahrscheinlich reagiert dein Pferd unterschiedlich auf der rechten und der linken Seite!

Punkt 1: Direkt an der Schulter
Viele Pferde reagieren hier sehr gut, jedoch ist es der am wenigsten sinnvolle Punkt. Gibst du hier durch Anstupsen das Kommando „verschiebe dein Gewicht von mir weg“ muss das Pferd, um deinem Finger zu weichen, die Schulter mitnehmen. Dabei neigen Pferde dazu, das Schulterblatt anzupressen und die Brustmuskulatur anzuspannen – und genau das soll nicht passieren.

Punkt 2: direkt vor der Schulter an der Wirbelsäule
Dies ist einer meiner Lieblingspunkte. Viele Pferde neigen dazu, sich in der Halsbasis fest du machen. Gibst du genau hier das Kommando zum Weichen, so muss das Pferd an der Halsbasis loslassen um die Wirbelsäule von dir weg bewegen zu können. Dazu muss es zudem die Brust- und Schultermuskulatur locker lassen und kann somit weniger gut mogeln. Außerdem kannst du vom Pferd aus per Gerte den Punkt erreichen und die Übung gut auch geritten nutzen.

Punkt 3: am Sattelgurt
Sollte Punkt 2 partout nicht klappen, so ist dieser Punkt eine gute Alternative; zudem ist er beim Reiten über den Schenkel zu erreichen und vielen Pferden schon bekannt. Es ist der Punkt, an dem das Pferd in Ecken und auf Volten „um den Schenkel gebogen“ wird. Der Nachteil dieses Punktes ist, dass er sozusagen schon reserviert ist für den eben genannten Zweck. Das Kommando ist also eher „biege dich“ als „verschiebe dein Gewicht“. Allerdings kommt auch bei einer korrekten Biegung das Gewicht auf das äußere Vorderbein, daher ist es nicht so tragisch.

Nutzen der Übung:
Auch hier werden wieder Gleichgewicht und Körpergefühl geschult. Schön ist, dass bei einem Gewichtswechsel in der Vorhand auch diagonal ein Gewichtswechsel in der Hinterhand stattfindet. Steht dein Pferd auch in der Hinterhand geschlossen kannst du beobachten, dass beim Gewichtsverschieben auf das äußere Bein der innere Hüftknochen minimal nach vorne kommt. Dies ist ein gutes Zeichen dafür, dass dein Pferd locker und im Gleichgewicht ist.

Biegung im Schritt

Nun noch zuletzt eine scheinbar einfache Steigerung der Biegung im Stehen.
Dazu läufst du bereits im Schritt neben deinem Pferd her und gibst nun das Kommando zur Biegung, genauso, wie du es auch im Stehen gemacht hast. Pass auf, dass sich dein Pferd dabei nicht hinter der Senkrechten versteckt, schneller wird oder dich nach Innen wegschiebt. Viele Pferde mogeln auch gerne, indem sie mit der Hinterhand leicht nach außen kommen, wirf also immer wieder ein Auge darauf, ob dein Pferd noch in der Spur fußt.

Wichtig!
Auch hier sollst du nicht ziehen um dein Pferd in die Biegung zu holen, du solltest nur Impulse geben, denen dein Pferd nachkommt. Sonst wird sich dein Pferd verkrampfen und das Ganze ist umsonst. Also gilt auch hier wieder: Weniger ist oft mehr!

Nutzen der Übung
Es wird langsam langweilig: Wieder wird vor allem das Gleichgewicht geschult. Zudem muss dein Pferd die Muskeln locker lassen, die es von seiner natürlichen Auslage normalerweise fest hält: Schulter, Brust, Hals und Genick.

Nun hast du wieder einiges zu tun, bis der nächste Blog erscheint. Viel Spaß dabei!

Wie geht es weiter?
Im nächsten Blog werden wir den ersten richtigen Seitengang anpacken und wirklich seitwärts unterwegs sein. Ich freue mich schon darauf!

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