Heute geht es weiter mit dem zweiten von drei Teilen der „Vorbereitungen für Seitengänge“. Ich hoffe sehr du konntest den ersten Teil, in dem es um die Stellung im Stehen ging, erfolgreich umsetzen und bist bereit für die nächste Aufgabe!

Biegung im Stehen
Bei der Biegung werden nun neben dem Gelenk zwischen Hinterhaupt und erstem Halswirbel (siehe „Vorbereitungen für Seitengänge, Teil1„) auch alle anderen Gelenke im Hals bewegt. Eine korrekte Biegung ist aber ohne eine korrekte Stellung nicht möglich. Achte also darauf, dass dein Pferd hier nicht mogelt indem es z. Bsp. den Unterkiefer nach innen schiebt oder die Ohren auf unterschiedlicher Höhe stehen. Sei dir bewusst, dass es bei der Biegung zu einer Dehnung der äußeren Halsseite kommt, die dem Pferd unangenehm sein kann. Taste dich also langsam vor, bis du das Maximum der aktuell möglichen Biegung erreicht hast, gehe aber niemals über 90° Abstellung hinaus.

Umsetzung der Übung
Die Übung wird auf linker Hand erklärt. Bitte immer beide Seiten erarbeiten.
Stell dein Pferd an die Bande, es soll alle Beine unter sich haben und sollte vorne geschlossen stehen. Das Pferd schaut nach vorne, der Hals ist gerade. Stelle dich neben die Schulter deines Pferdes. Mit deiner Linken umgreifst du den mittleren Ring des Kappzaums, bei größeren Pferden hälst du die Longe so kurz wie möglich. Solltest du mit dem Stallhalfter arbeiten kannst du auch den seitlichen Ring oder das Backenstück greifen.
Nun führst du den Kopf deines Pferdes langsam und Stück für Stück in einem Bogen zu dir. Stell dir dabei vor, der Widerrist deines Pferdes sei der Mittelpunkt eines Kreises, den du mit dem Pferdemaul malen möchtest.

Auch hier hat dein Pferd sicher eine bessere und eine schlechtere Seite. Auf der schlechteren wird es versuchen zu mogeln: es verwirft im Genick oder klappt einfach vor der Schulter den Hals um, während dieser wie ein Brett immer noch gerade ist.
Nun ist es an dir herauszufinden, welcher Haltung deinem Pferd die Übung erleichtert: variiere die Kopfhöhe, wähle eine kleinere Abstellung, tippe den Hals dort an, wo er sich biegen soll. Vielen Pferden fällt eine Übung leichter, wenn sie als erstes auf der besseren Seite erklärt wurde, wechsle also ruhig die Seite, wenn es so hakt (Was ist die „bessere Seite“ meines Pferdes? – Siehe Teil1).

Bild: Hier verwirft Spirit ein wenig: Die Ohren sind nicht mehr auf gleicher Höhe und die Ganasche wird nach Innen gedrückt. Mit der Hand am Halsansatz hilft Patricia ihm in die Biegung zu gehen. Zusätzlich erhält Spirit dadurch den Impuls, sein Gewicht auf die äußere Schulter zu nehmen, wodurch die Biegung nochmals erleichtert wird.

Warum machen wir diese Übung?
Wie oben schon geschrieben benötigen wir die Biegung bei den Seitengängen.
Indem du Biegungen immer wieder auch separat übst, bekommt dein Pferd ein besseres Gefühl dafür und kann die Übung effektiv immer korrekter ausführen. So vermeidest du, dass dein Pferd sich durch die Biegung schummelt.

Fotos: Auf den Fotos siehst du Patricia Wegmann von www.wolfsgeist.ch, die für mich mit ihrem wunderbaren New Spirit gemodelt hat. Spirit trägt einen Kappzaum von Barefoot, welchen du z. Bsp. HIER erwerben kannst.