In „Teil1 Impfungen – Was, warum, wie oft, oder doch nicht?“ wurde Tetanus thematisiert, nun, in Teil 2, geht es wie angekündigt, um Influenza. Dieser raffinierte Virus wird gerne unterschätzt und trotz seiner Gefährlichkeit finde ich vor allem Bewunderung für seine Wandlungsfähigkeit.

Ihr alle habt das tragische Ausmaß der Schweine- oder der Vogelgrippe miterlebt. Tausende Tiere sind daran gestorben oder wurden aus Sicherheitsgründen geschlachtet und verbrannt. Damals sprach jeder vom H1N1-Virus der Schweine bzw. vom H5N1-Virus der Vögel. Diese Nomenklatur findet man auch bei der Pferdeinfluenza. Der aktuelle pferdeeigene Subtyp wird als H3N8 bezeichnet. Das „H“ steht für „Haemagglutinin“, das „N“ für „Neuramidase“. Beide Eiweiße sind auf der Oberfläche des Influenzavirus zu finden und werden benötigt, damit der Virus an Blutkörperchen andocken und dann sein Zielgewebe, die Schleimhäute, erkennen und sich dort anheften kann.

Influenzaviren unterliegen durch ihre schnelle und häufige Teilung starken Mutationen. Dabei verändern sich auch immer wieder das Haemagglutinin- und Neuramidaseeiweiß – sie werden sozusagen optimiert. Die Zahlen der Nomenklatur bezeichnen also den jeweiligen Mutationstyp. Zudem gibt es weitere Subspezies des Equinen Influenzavirus, welche es schwierig gestalten eine optimale Impfung zu ermöglichen.

Pferdeinfluenza


Welche Konsequenzen hat eine Infektion?

Die Viren verbreiten sich über die sogenannte Tröpfcheninfektion. Sie werden in der feuchten Atemluft ausgeschieden und aus der Luft oder über Schleimhautsekrete bei direktem Kontakt vom nächsten Wirt eingeatmet bzw. aufgenommen. Nach spätestens 3 Tagen folgen starker, trockener Husten, hohes Fieber und tiefrote Schleimhäute.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Pferd in seinem Leben an Influenza erkrankt liegt bei fast 100%. Dann ist es natürlich sinnvoll, es von seinen Artgenossen zu trennen, da die Krankheit hoch ansteckend ist. Wird das Pferd sofort geschont und krankheitsgerecht versorgt, liegt die Sterblichkeitsrate bei nur 1%. Wird jedoch weiterhin mit dem Tier gearbeitet und kommen dann evtl. auf das so schon stark beschäftigte Immunsystem noch weitere Infektionen zu, steigt die Sterblichkeitsrate massiv an!

In Zahlen hört sich diese Krankheit folglich nicht sehr gefährlich an. Der Krankheitsverlauf selbst ist jedoch schwer und man muss mit bis zu 6-wöchiger starker Krankheit rechnen und anschließend entsprechend langer Rehabilitation. Bei trächtigen Stuten kann es zudem zum Verfohlen kommen.


Die Impfung
Dass Influenza inzwischen bei Pferden nur noch ein kleines Problem darstellt, liegt auch an der Impfpraktik, welche durch die Tierärztekammern verfolgt wird. Da es inzwischen Pflicht ist bei Turnierteilnahme eine halbjährlich vorgenommene Influenzaimpfung vorzuweisen, konnte die Verbreitung neuer Mutationen stark eingedämmt werden. Treffen, an denen viele Pferde aus verschiedenen Regionen mit verschiedenem Impfstatus zusammen kommen sind für den Virus ideal: Die regionalen Mutationen können sozusagen ihre Wirte „tauschen“ und somit neue Regionen, mit anderem Immunstatus erobern.

Ob eine Impfung sinnvoll ist oder nicht hängt somit vor allem davon ab, ob Dein Pferd regelmäßig Kontakt mit fremden Pferden hat und ob Du an Turnieren teilnehmen möchtest. Solltest Du Dich für eine Impfung entscheiden ist folgendes wichtig:
1. Wähle immer eine Einzelimpfung und keine Kombinationsimpfung mit Tetanus, da du dann sicher den aktuelleren und somit komplikationsfreieren Impfstoff erhältst.
2. Vermeide die Impfung von Influenza zusammen mit Herpes. Hier treten gerne Nebenwirkungen auf!

Auch heute hoffe ich einige eurer Fragen beantwortet zu haben. Bald folgt nun noch Teil 3, bei dem ich sowohl über die Herpesimpfung berichten als auch endlich das heiß ersehnte Thema „Impfschäden“ aufgreifen werde.

Bis dahin: Genießt den Frühling!